Wasserkraftanlage T38 Neumühle an der Untere Argen
Bau eines Fischlifts / Fischaufzug

Der ursprünglich in den Planungsunterlagen festgeschriebene Becken-Schlitzpass (Vertical-Slot-Pass) für den Fischaufstieg und Fischabstieg wird nicht gebaut. Aufgrund der großen Fallhöhe von 4.8 m und dem folglich großen Flächenverbrauch, sowie der beengten örtlichen Verhältnisse, beantragt der Betreiber der WKA Herr Winter aus Beutelsau den Bau einer „innovativen Fischschleuse“. Mechanisch arbeitende Fischaufzüge werden schon seit längerer Zeit gebaut, wenn die o.a. Bedingungen einen Fischpass oder ein Umgehungsgerinne nicht zulassen. Das jahreszeitlich unterschiedlich festgelegte Mindestwasser in der Ausleitungsstrecke soll halbjährig ca.450 l/s bzw. 900 l/s betragen. Die genaue Terminierung der Zeiträume ist von der Fischereibehörde (Dr. Konrad) im Verfahren noch festzulegen um vor allem in der Aufstiegszeit für Langdistanzwanderfische (Seeforelle) eine ausreichende Fließtiefe sicher zu stellen.

Funktion des Fischlifts

Bei der „innovativen Fischschleuse“ die in Neumühle eingebaut werden soll, handelt es sich um ein Pilotprojekt. Dieser Fischaufzug funktioniert wie eine Schleuse in der Schiffe vom Unterwasser ins Oberwasser befördert werden und umgekehrt. Ein zylindrischer Schwimmkolben von 2,25 m Durchmesser mit zwei gegenüberliegenden Öffnungen wird durch Fluten eines stehenden Rohres von unten nach oben bewegt. Bei Flutung des Rohrzylinders dauert die Fahrt der Schwimmkammer zum Fischausstieg ins Oberwasser ca. 10 - 15 Minuten und umgekehrt. Die zeitliche Steuerung erfolgt automatisch, das Zeitfenster, wie oft der Lift betätigt wird ist noch nicht festgelegt. Die Luftkammern für den Auftrieb sind oben und im Boden vorgesehen. Der Deckel des Schwimmkolbens hat eine Öffnung von D 1 m, sodass immer Licht von oben in die Kammer einfallen kann. Auf der Sohle soll Grobkies mit einer Kantenlänge 8-12 cm als Substratbremsen in eine Schicht aus Epoxidharz geklebt werden. Dadurch wird eine flussähnliche Sohlstruktur im Schwimmkolben geschaffen. Die für den Fischaufstieg relevanten Bedingungen wie Auffindbarkeit und permanente Lockströmung, auch im Schwimmkolben sind gegeben. Der Fischausstieg ins Oberwasser liegt vorteilhaft in Höhe der Stauwurzel. Ein schadfreier Fischabstieg über die Schwimmkammer ist nur über den Zulauf zum Fischausstieg möglich, das ist nachteilig, weil der Fischabstieg im Flussquerschnitt der Hauptströmung durch passives verdriftenlassen erfolgt und der führt Richtung Einlauf Kanalrechen. Bei Hochwasser wirkt sich der beruhigte Einlaufbereich zum Fischlift vorteilhaft für den Fischabstieg aus. Das Funktionsprinzip der Anlage wurde als Modell einem Gremium der Vereinsführung durch den Konstrukteur Herrn Baumann aus Beutelsau vorgestellt. Das baugleiche Modell in Originalgröße wird derzeit an der TU Karlsruhe auf Funktionsfähigkeit und im Feldversuch getestet. Nachdem noch keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, wird von der Behörde (LA RV Umweltamt) ein umfangreiches Monitoring im Verfahren festgeschrieben.

Monitoring (Bauwerksüberwachung)

Ein umfangreiches Monitoring soll über die Funktion des neuen Fischlifts entscheiden. Der Betreiber erklärt sich dazu bereit, das System Fischlift auf eigene Kosten rückzubauen, sollte es nicht zufriedenstellend funktionieren. In diesem Fall soll das System Fischlift mit der ursprünglichen Planung eines Vertical Slot Fischpasses ersetzt werden. Die beantragte Änderung des Fischpasses durch einen Fischlift soll auf 5 Jahre befristet werden und verlängert sich automatisch, sollte die Funktion der Anlage in den Untersuchungen bewiesen werden. Alle Untersuchungen sollen in Abstimmung mit der Fischereibehörde (Dr. Konrad) durchgeführt werden. Im Rahmen der Untersuchungen soll geprüft werden, wie sich Fische, die gewässeraufwärts orientiert schwimmen, vor dem Fischlift verhalten. Es sollen folgende Verhaltensweisen registriert und bewertet werden: Verhalten im Unterwasser des Lifts Verhalten von Fischen im Einstiegsbereich des Lifts Ein stationär montiertes DIDSON-Sonar-Gerät soll die Verhaltensweisen der wandernden Fische aufzeichnen. Auf der Grundlage der gewonnenen Ergebnisse soll auch abgeschätzt werden, wie viele Fische, in Bezug auf die Grundmenge wanderwilliger Fische, in den Lift einschwimmen. Darüber hinaus werden das Verhalten von Fischen in der Liftkammer und das Ausstiegsverhalten bewertet. Um einen Überblick zu bekommen, wie viele Fische insgesamt mittels Fischlift ins Oberwasser gebracht werden, sollte es eine Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber (Herr Winter) und dem Fischereiverein geben, der entsprechende Netzuntersuchungen begleitet und die Daten für weitere Auswertungen zur Verfügung stellt.

H.Steigenberger